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St.-Magnus-Kirche

Kirchplatz im Ortsteil Everswinkel

St. Magnus Kirche

Vom ursprünglichen Kirchenbau aus der ersten Hälfte des 13. Jhs. steht nur noch der romanische Turm. Im unteren Teil ist er aus Laerer Kalkstein erbaut, der Mauerstamm des quadratischen Turms besteht aus örtlichen Bruchsteinen.

Der oberste, in Backstein ausgeführte und heute verputzte Aufsatz des Turmes und der gedrungene Pyramidenhelm sowie das Westportal stammen aus dem 19. Jahrhundert. Der im unteren und mittleren Bereich völlig ungegliederte Turm weist lediglich schießschartenartige Öffnungen auf; die heutigen Fenster des Untergeschosses sind ebenfalls aus solchen Schießscharten herausgebrochen.

Der Grundstein des gotischen Kirchenschiffes wurde am 28. Februar 1489 gelegt. 1522 wurde der Bau vollendet. Ungewöhnlich für eine gotische Kirche ist ihre geringe Längsausdehnung. Weil der Turm im Westen stehen bleiben sollte und auf der Ostseite bereits Häuser standen, baute man in Everswinkel die Kirche einfach in die Breite.

Darstellung eines Ebers an der Südwand des Seitenschiffes
Darstellung eines Ebers an der Südwand des Seitenschiffes

An der Südseite der Kirche findet man zwei in der Region einzigartige Plastiken: ein Eber auf einem Menschenkopf auf dem Südostpfeiler des Chores und am Traufgesims direkt unter der Dachrinne ein echsenartiges Wesen mit Flügeln und buschigem Schwanz. Vielfach wurden die Tiergestalten als Anspielungen auf den Ortsnamen verstanden. Der Eber allerdings war auch das Tiersymbol des germanischen Fruchtbarkeitsgottes Frikko. Und so ist es auch denkbar, dass hier eine unbewusste Erinnerung an diese heidnische Gottheit vorliegt.

Gewölbeschlussstein mit Bildnis des hl. Magnus
Gewölbeschlussstein mit Bildnis des hl. Magnus

Bei einer Grundrenovierung des Kircheninnenraumes 1957 entdeckte man unter der neugotischen Deckengestaltung die noch relativ gut erhaltene Ausmalung der Kirche aus dem Jahre 1523 oder 1533. Die Malereien der Gewölbeschlusssteine zeigen die Wappen der hiesigen Adelsgeschlechter; der in der Mitte des Chores zeigt den Patron der Pfarrkirche, den hl. Magnus, als Bischof mit Mitra.

Die Stirnseite des nördlichen Seitenschiffs trägt eine in Baumberger Sandstein gearbeitete Plastik aus der Werkstatt des Münsteraner Bildhauers Johann Wilhelm Gröninger: die Figurengruppe "Christus am Ölberg". Eine Inschrift weist den Pastor Johann Bernardus Marx als Stifter aus; aus seiner Zeit stammen neben der ehemaligen barocken Ausstattung der Kirche zahlreiche Bildstöcke und ein Wegekreuz.

Oberhalb der Figurengruppe hängt ein Gemälde, auf dem die Kreuzigung Christi dargestellt ist; es handelt sich vermutlich um ein ehemaliges Hochaltarbild. Davor steht ein achteckiger Renaissance-Taufstein aus Baumberger Sandstein, den früher zehn Steintafeln mit den zehn Geboten in plattdeutscher Sprache zierten.

Der Chor wird beherrscht von dem neugotischen Hochaltar aus dem 19. Jhs. Links vom Hochaltar steht eines der schönsten Sakramentshäuser Westfalens. Es stammt aus der Erbauungszeit der Kirche und wird der Werkstatt des Meisters Bernhard Bunickmann aus Münster zugeschrieben. Über der sechseckigen Grundform steigt es gleich einem durchbrochenen gotischen Turmhelm bis ins Chorgewölbe auf. Der Pelikan auf der Turmspitze symbolisiert den sich selbst opfernden Christus. Dem Sakramentshaus gegenüber steht ein fast 4 Meter hoher schmiedeeisener Leuchter. Der Leuchter selbst stammt aus der Zeit um 1500, wogegen das Kreuz gegen Ende des 19. Jhs. entstanden ist.

Pietà aus Baumberger Sandstein, 2 Hälfte 15. Jahrhundert
Pietà aus Baumberger Sandstein, 2 Hälfte 15. Jahrhundert

Eine fast lebensgroße Pietà aus den Jahren um 1460 prägt die Südwand des Kirchenschiffes. An der Stirnseite dieses Seitenschiffs findet man eine barocke, farbige Strahlenmadonna, in Eichenholz geschnitzt. Außerdem kann die Kirche in Everswinkel das älteste Hungertuch des Bistums ihr eigen nennen. Es stammt aus dem Jahre 1614 und zeigt die fünf Motive des schmerzhaften Rosenkranzes.

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